Der Ursprung des Friesensports

Friesensport

Anfänge des Friesenspiel: "Ursprung des Klootschießens"

Entstehungsort des Klootschießens sind die nördlichen Küstenregionen. Ob der Ursprung im ostfriesischen - oldenburgischen Raum, SHL, Holland oder sogar Irland liegt, ist heute nicht mehr zurückzuverfolgen.

Der Bibel können wir in Samuel Kapitel 17 entnehmen, dass David  einen Stein gegen Goliath schleuderte, so dass dieser tot umfiel. Ob es sich dabei um einen Stein oder vielleicht doch schon einen Kloot aus Lehmkluten (Erdklumpen) gehandelt hat, ist aus Sicht der Klootschießer nicht eindeutig geklärt.

Der Feldheer Hannibal soll, so ist es in der Überlieferung wiedergegeben, eine große Anzahl von Bleikugeln in seinem Heer mitgeführt haben. Hannibal regierte von 218 bis 201 vor Christi Geburt. Manch einer seiner Soldaten soll ein exzellenter Werfer dieser Kugeln gewesen sein und darum hat Hannibal seine Feldschlachten auch immer gewonnen.

Tacitus, der Geschichtsschreiber der alten Römer, berichtet, dass die römischen Soldaten im Jahre 5 nach Christi Geburt im Norden von Germanien mit einem Steinhagel begrüßt worden seien.  Dabei soll es viele Tote gegeben haben. Wir gehen davon aus, dass es sich dabei um faustgroße ausgepresste und getrocknete Kleikugeln gehandelt hat. Daher auch der Name „Kloot“ (=Ableitung aus Kluten = Erdkugeln).  Steine gab es zu der damaligen Zeit noch nicht in der Kleigegend und Blei auch nicht.

Bei Abtragungen von Warften in den Niederlanden tauchten erstmals Klootkugeln aus Apfelbaumholz auf. Sie waren kreuzweise durchbohrt und mit Blei ausgegossen. Es besteht die Annahme, dass diese Kugeln, die bereits damals die bis heute gültige Form besaßen, schon um 1300 nach Christi und früher benutzt wurden. Daraus ergibt sich die Frage nach dem Verwendungszweck dieser Klootkugel.

Erste Theorie: Professor Niemann aus Jever:
Klootkugeln als Waffen, andere Verteidigungsmittel waren unbekannt oder standen nicht zur Verfügung. Küsten- und Halligbewohner übten das Werfen mit getrockneten Kugeln zur Abwehr des Gegners. Durch eine sehr große Treffsicherheit, die die Krieger erreichten, konnten selbst auf größere Entfernung Seepiraten und andere Angreifer in die Flucht geschlagen werden.

Zweite Theorie: Staatsbibliothek Hamburg (9. Jahrhundert):
Daraufhin liegt der Ursprung des Klootschießens in der Gewinnung von Strandgut. Die Küstenbewohner befestigten die Kugel an Leinen und warfen sie auf das Meer, um damit vorbeitreibendes Strandgut als Feuerholz zu gewinnen. Eindeutig ist aber, dass der Umgang mit der Klootkugel für einen praktischen Zweck trainiert wurde. Nach dem Wegfall der Notwendigkeit entwickelte sich daraus ein Wettkampfspiel.

Unsere Vorfahren haben nicht allzu viel davon gehalten, die Geschichte unseres Heimatspiels zu dokumentieren. Allerdings sind wir in einigen alten Kirchbüchern fündig geworden. Im Archiv der reformierten Kirche in Emden sind zahlreiche Aufzeichnungen vorhaben. In den Kirchbüchern ab dem Jahr 1510 wird immer mal wieder über das Klootschießen berichtet. In den Aufzeichnungen wird immer wieder von großen Festen gesprochen, wenn Klootschießerwettkämpfe zwischen den einzelnen Dörfern ausgetragen wurden. Dabei wurde um Geld, Alkohol und Wertgegenstände gewettet. Es wird von großen erzielten Weiten einzelner Werfer berichtet, aber es wird auch in diesem Zusammenhang von wilden Saufereien und Hauereien berichtet. Das Spiel war der Obrigkeit bald ein Dorn im Auge, es gab ständig Ärger mit den Klootschießern. Übermäßiger Alkoholgenuss und die üblen Raufereien mit manch schwerer Verletzung führten dazu, dass das Klootschießen für immer zu verboten werden sollte. Die reformierte Kirche sprach sich im 16. Jahrhundert wegen es Sittenverfalls gegen das Klootschießen aus, während die Lutheraner sich weit toleranter zeigten. So konnte sich das Klootschießen vor allem  in lutheranischen Gegenden ausbreiten. Von Verboten ließen sich die wehrhaften Friesen natürlich nicht abhalten. Die hohen Herren, die die Verbote ausgesprochen haben,  sind schon lange tot, doch die Friesen werfen auch heute noch den Kloot.

Einen großen Anteil daran hat die Ostfriesische Landschaft.1850 stellte sich die ostfriesische Landschaft vor die Klootschießer und war auch deren Fürsprecher. Ganz kurz zu der Ostfriesischen Landschaft: Am Anfang waren die Landstände, die Versammlung der drei gleichberechtigten Gruppen aus Rittern und Vertretern der Bürger und Bauern. Sie vertraten im Mittelalter die ostfriesische Bevölkerung gegenüber dem Landesherrn, dem Grafen- und späteren Fürstenhaus. Diese Ständevertretung gibt es in Ostfriesland bereits seit mehr als fünfhundert Jahren.

Bis zum 19. Jahrhundert besaß die Ostfriesische Landschaft auch wesentliche politische Rechte. Von Kaiser Leopold I. ist ihr 1678 sogar ein eigenes Wappen verliehen worden, das den Ritter und den Baum auf dem Upstalsboom zeigt. Dieser Hügel war und ist das Symbol für die Freiheit der Friesen. An diesem Ort trafen sich im Mittelalter die Vertreter der selbständigen friesischen Landesgemeinden. Hier wollten sie bei ihren Zusammenkünften gemeinschaftlich ihre Rechte und Freiheiten stärken und sichern.

Mitbestimmung und Selbstverwaltung haben also in Ostfriesland eine lange Tradition.

Beim friesischen Nationalsport, dem Klootschießen und dem Boßeln, fliegen und rollen die Kugeln bis heute. Was früher Dorfkampf war, ausgetragen von Männern in langen weißen Unterhosen, ist heute auch zum "Leistungssport" geworden. Jung und alt trainieren hart. Auch wenn friesische Bauern ihre Knechte heute nicht mehr nur nach ihrer "Boßelfähigkeit" einstellen, hat das Boßeln in Ostfriesland nach wie vor Konjunktur. Alle Verbote, Fürstenedikte und Warnungen des Pfarrers vor den "gräulichen Kugelspiel" haben nicht gefruchtet und es wurde sogar als turnerische Übung entdeckt.

Heute wird das Klootschießen im Winter als Feldkampf, im Sommer beim Friesischen Mehrkampf auf dem Sportplatz durchgeführt. Feldkämpfe werden ausschließlich bei Frostwetter als Mannschaftswettkampf quer über Felder oder Wiesen ausgetragen.

Mitte des 19. Jahrhunderts entstand dann das Boßeln. Die Kugeln waren größer und schwerer. Die Wurftechnik dagegen einfacher als beim Klootschießen und so konnte sich der Boßelsport zu einem wahren Volkssport entwickeln, an dem sich heute auch Kinder und Frauen beteiligen. Ein weiterer Vorteil des Boßelns ist die Tatsache, dass es quasi zu jeder Jahreszeit betrieben werden kann.

Feste Strukturen für das Friesenspiel entstanden in Ostfriesland 1902 durch die Gründung des Friesischen Klootschießer-Verbandes (FKV), in dem sich auch die Boßeler organisierten. Klare Regeln gab es lange Zeit nicht, aber zum Klootschießen gehören viele Sitten und Gebräuche, denen die Ostfriesen treu geblieben sind.

Hochburg der Klootschießer und Boßeler ist sicherlich Ostfriesland. In 140 Vereinen sind rd. 23.500 Klootschießer und Boßeler organisiert. In zahlreichen Altersklassen (E-Jugend bis Männer V) ermitteln die Mannschaften, die eine Mannschaftsstärke von 4 Werfern bis 16 Werfer haben, ihren Meistern. Die Verbände haben sich eine Ligenstruktur gegeben und ermitteln so ihre Meister im Boßeln. Klootschießer und Boßeler finden wir außerhalb von Ostfriesland im Oldenburger Land und in Nordfriesland.

In den 30er Jahren entstanden Kontakte zu Klootschießern in den Niederlanden, nach Irland in die Grafschaft Cork und Italien. Der erste offizielle internationale Wettkampf wurde 1969 ausgetragen. Die damals festgelegten Wettkampfregeln für das Werfen nach friesischer holländischer und irischer Art gelten bei den alle vier Jahre stattfindenden Europameisterschaften noch heute.

Über Jahrhunderte waren Klootschießen und Boßeln nur den Männern vorbehalten. Traditionsbewusste Boßeler lehnten die Zulassung von Frauen in ihren Verbänden ab, worauf in den 50 und 60er Jahren etliche hartnäckige Ostfriesinnen eigenständig Gruppen gründeten. Das Frauen-Boßeln breitete sich schlagartig aus heute sind die Frauen längst in den Vereinen und Verbänden fest integriert.